Geheimnisse unter dem Kirchenboden

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# Archivbeiträge

Geheimnisse unter dem Kirchenboden

Was verbirgt sich unter den jahrhundertealten Steinplatten unserer Kirche? Diese Frage wurde im Zuge der umfangreichen Renovierungsarbeiten in den 1970er Jahren auf eindrucksvolle Weise beantwortet. Die archäologischen Untersuchungen in der St. Vinzentius-Kirche in Bochum-Harpen eröffneten faszinierende Einblicke in die lange und bewegte Geschichte unseres Gotteshauses.


Spuren aus über tausend Jahren

Den Anstoß für die Grabungen verdanken wir dem großen Engagement des Architekten Paul Gerhard Wieschemann, der die Renovierungsarbeiten von 1974 bis 1978 leitete. Im Zuge der Bodensanierung wurden zahlreiche Funde gemacht, die die Geschichte der Kirche weit in die Vergangenheit zurückreichen lassen.

Besonders bemerkenswert sind Münzfunde mit Prägungen aus der Zeit um 980 bis 1012. Sie liefern einen bedeutenden Hinweis darauf, dass an diesem Ort bereits vor über tausend Jahren ein kirchliches oder religiöses Zentrum bestanden haben könnte.


Gräber im Kirchenraum – Zeugnisse früher Bestattungen

Die Ausgrabungen brachten zudem eine Vielzahl von Bestattungen innerhalb der Kirche ans Licht. Vor allem im Chorbereich wurden mehrere Gräber entdeckt, deren Einbettungstiefen zwischen 0,3 und 0,69 Metern lagen. Diese Bestattungen stammen überwiegend aus dem 17. und 18. Jahrhundert und belegen die damals übliche Praxis, bedeutende Persönlichkeiten innerhalb des Kirchenraums zu beerdigen.

Zu den Funden gehörten neben Skeletten auch gut erhaltene Überreste wie Stoffreste, Sargbeschläge und Teile von Holzsärgen. Diese Details ermöglichen es, sich ein lebendiges Bild der damaligen Bestattungskultur zu machen.

Einige der Gräber geben sogar Hinweise auf die Identität der Verstorbenen:

  • Eine Bestattung im Chor, quer ausgerichtet mit Blick nach Süden, konnte als Frauengrab identifiziert werden.
  • Ein zentral im Chor bestatteter Mann, etwa 45 bis 50 Jahre alt, wurde mit Blick nach Osten beigesetzt – eine klassische christliche Ausrichtung.

Besonders spannend sind jedoch drei Gräber, die unmittelbar hinter den Fundamenten der ersten Bauphase der Kirche lagen. Sie waren ebenfalls nach Osten ausgerichtet und stammen vermutlich aus einer Zeit vor dem Bau der romanischen Basilika. Damit reichen die Bestattungen möglicherweise in eine noch frühere Siedlungs- oder Kirchphase zurück.
(Quelle: Wieschemann, Manuskript „St. Vinzentius – die Kirche in Bochum-Harpen“)



Adlige unter dem Kirchboden

Neben den archäologischen Funden dokumentieren historische Quellen auch die Bestattung von Adligen in der Kirche. Eine Liste, die auf den Kirchenbüchern seit 1633 basiert, gibt Aufschluss über diese Tradition. Sie wurde vermutlich im 19. Jahrhundert im Zuge der ersten systematischen Archivierung der Dokumente erstellt.

Liste aus dem Archiv der Kirchengemeinde Bochum-Harpen. Diese Liste wurde wahrscheinlich von Pfarrer Rosenbaum erstellt.

Besonders hervorzuheben ist die Familie von Düngelen. Der letzte bekannte Vertreter, Johann Gisbert von Düngelen, Offizier unter Friedrich dem Großen, verstarb am 11. Mai 1786 und wurde in der Harpener Kirche beigesetzt. Es wird vermutet, dass sich sein Grab im Bereich vor dem Altar befand – möglicherweise an jener Stelle, an der ein Toter mit auffälligen Grabbeigaben (wie etwa einer Perücke) entdeckt wurde.

Das überlieferte Bild dieses Adligen gelangte vermutlich durch Schenkungen der Familie in den Besitz der Kirchengemeinde und ist heute ein wertvolles Zeugnis dieser Verbindung.

Herr von Düngelen zu Wiesche,  gestorben am 11.Mai 1786


Ein würdevoller Abschluss

Nach Abschluss der archäologischen Untersuchungen wurden alle geborgenen sterblichen Überreste respektvoll in einem gemeinsamen Grab beigesetzt. Dieses befindet sich am südlichen Kircheneingang und ist durch eine Grabplatte an der südlichen Säule gekennzeichnet. So bleiben die entdeckten Menschen Teil des lebendigen Gedächtnisses unserer Gemeinde.

Foto der Grabplatte am Südeingang, weitere Informationen im digitalen Kirchenführer Vinzentius360 

Geschichte, die unter die Haut geht

Die Grabungsfunde in der St. Vinzentius-Kirche machen deutlich: Unsere Kirche ist nicht nur ein Ort des Glaubens, sondern auch ein Ort der Geschichte – Schicht für Schicht gewachsen über viele Jahrhunderte. Jeder Fund erzählt ein Stück Vergangenheit und verbindet uns mit den Menschen, die hier vor uns gelebt, geglaubt und ihre letzte Ruhe gefunden haben.

Diese Entdeckungen laden dazu ein, unsere Kirche mit neuen Augen zu sehen – als ein lebendiges Zeugnis der Zeit, das bis heute seine Geschichten bewahrt.

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